Im Herbst verändert sich die Natur und auch unsere Essgewohnheiten passen sich dem kühleren Wetter an. Wir haben Appetit auf Speisen, die uns von innen wärmen und uns Kraft geben. Reichhaltigere warme Gerichte vermitteln ein wohliges Gefühl.
In Frankreich lieben wir im Herbst besonders Gerichte aus dem Ofen. Dazu gehören zum Beispiel Gratins, die bei uns eine lange Tradition haben. Sie sind das ganze Jahr über beliebt und ein fester Bestandteil der französischen Küche, doch im Herbst schätzen wir sie eben ganz besonders. Die goldbraune, knusprige Kruste, die sich beim Überbacken bildet, verleiht jedem Gericht das gewisse Etwas.
Das Wort „gratin“ kommt vom französischen Verb „gratter“ und bedeutet „kratzen“. Ursprünglich waren damit die knusprigen Stücke gemeint, die an den Rändern der Auflaufform entstanden. Sie waren so lecker, dass man sie bis auf den letzten Krümel mit dem Löffel abkratzen wollte. Heute wird das gesamte überbackene Gericht als Gratin bezeichnet – die knusprigen Käsereste sind aber immer noch das Beste!
Gratins – unkompliziert und vielfältig
Gemüse, Nudeln, Fleisch und Fisch – es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, ein Gratin zuzubereiten. Bereits wenige Zutaten genügen, um ein schmackhaftes Gericht für die Familie oder andere Gäste auf den Tisch zu bringen. Früher waren Gratins übrigens ein Armeleuteessen, da sie perfekt geeignet sind, um Reste zu verarbeiten.
Im Herbst bereite ich Gratins gerne mit saisonalem Gemüse zu. Lauch, Pilze, Blumenkohl, Kürbis oder Chicorée eignen sich wunderbar zum Überbacken. Aber auch Nudel- und Kartoffelaufläufe sind sehr beliebt – mit oder auch ohne Fleisch und Fisch.
Die knusprige Kruste entsteht durch geriebenen Käse, Semmelbrösel oder eine Mischung aus beidem. In Frankreich verwenden wir dafür oft Comté, Gruyère oder Emmental, denn das sind Käsesorten, die beim Erhitzen wunderbar schmelzen.
Geselligkeit am Esstisch
Gratins eignen sich perfekt, wenn man Gäste erwartet. Während der Garzeit im Ofen kannst du entspannt den Tisch decken und wenn es fertig ist, stellst du die Auflaufform einfach auf den Tisch. So kann sich jeder selbst bedienen, und die Wärme trägt zur gemütlichen Atmosphäre bei. In Frankreich schätzen wir diese unkomplizierte Art des gemeinsamen Essens sehr. Es geht weniger um Perfektion als vielmehr um das Beisammensein und den Genuss. Dazu vielleicht noch ein Glas Rotwein und schon verbringt ihr einen gelungenen Abend.
Heute teile ich ein Kindheitsrezept für ein Blumenkohlgratin mit Béchamel-Sauce. Das hat meine Mutter sehr oft gekocht – durch die leckere Sauce und den gratinierten Käse waren wir als Kinder bereit, das von uns sonst ungeliebte Gemüse zu essen. Manchmal hat sie sogar Würstchen mit in die Ofenform gelegt, damit wir noch mehr davon essen – das kann man natürlich auch machen!
Rezept: Blumenkohl-Béchamel-Gratin


Zubereitung
Blumenkohl putzen, in Röschen zerteilen, in kochendem Salzwasser ca. 10 Minuten blanchieren. Béchamel Sauce zubereiten: in einem kleinen Topf Butter zum Schmelzen bringen. Vom Herd nehmen, Mehl damit glattrühren. Milch dazu geben, Topf wieder auf mittlere Flamme stellen. Mit Salz, Pfeffer und frisch geriebener Muskatnuss würzen und unter ständigem Rühren dick werden lassen. Man braucht Geduld, je nach Menge, Topf und Hitzegrad kann eine Béchamel-Sauce 10-15 Minuten brauchen, um die richtige Konsistenz zu erreichen. Ofen auf 200°C Oberhitze vorheizen.
Blumenkohl abtropfen und in eine ofenfeste Form legen. Die Béchamel-Sauce darauf verteilen, so dass kein Röschen trocken bleibt. Mit dem Käse (gerieben oder in sehr dünnen Scheiben) bestreuen und ca. 20 Minuten backen, bis die Oberfläche den gewünschten Bräunungsgrad erreicht hat. Sofort auf den Tisch bringen!
In Frankreich hat das Wort „Gratin“ auch noch eine ganz andere Bedeutung. Umgangssprachlich bezeichnen wir damit die Oberschicht oder die Elite der Gesellschaft. Wenn man sagt „le gratin parisien“ meint man die wohlhabenden, einflussreichen und prominenten Persönlichkeiten aus Paris. Die Verwendung ist naheliegend, ist doch die knusprige Oberfläche ebenfalls das Besondere eines Gratins. Diese charmante Interpretation zeigt, wie tief das Essen in der französischen Sprache und Kultur verwurzelt ist.
Mehr zur Esskultur meiner Heimat erfahrt ihr, wenn ihr mich für ein mehrgängiges, saisonales Essen bucht!

